Monumentalfilme

Filmwissen - Filmgenres

Als Monumentalfilme werden in der Regel für das Kino produzierte Filme, vor allem Spielfilme, bezeichnet, in denen mehrere formale, aber auch inhaltliche Kriterien zusammen erfüllt werden, die einen Film zu einem monumentalen Werk (im Sinn von „überdimensional“ und „herausragend“) machen. Zu den formalen Kriterien eines Monumentalfilms gehören beispielsweise neben hohen Produktionskosten eine aufwendige Inszenierung, in der Massenszenen mit einer ungewöhnlich hohen Anzahl an Statisten, Kostümen und/oder gesondert hergestellten bzw. nachgebauten Kulissen eine wichtige Bedeutung einnehmen.

 

Inhaltlich zeichnen sich zwar nicht alle, jedoch viele Monumentalfilme zudem oft durch eine epische Breite aus (vgl. auch Epos). Dazu gehören z. B. sich verändernde Charaktere in einer Handlung, die sich über einen längeren Zeitraum, teilweise über Jahrzehnte oder gar über Generationen hinweg erstreckt. Durch eine zeitliche und/oder örtliche Vielschichtigkeit entsprechender Filme ist bei den meisten von ihnen auch eine Überlänge von zwei und mehr Stunden die Folge.

Ein Monumentalfilm ist an kein spezifisches Filmgenre gebunden. Oft überschneiden sich verschiedene dramaturgische Darstellungsformen (Tragödie, Komödie, Melodram) und Genres (Kriegsfilm, Western, Krimi, Romanze u. a.) in ein- und demselben Film. In diesem Sinne kann man den Monumentalfilm auch als eine Art formales Übergenre für Produktionen mit einem hohen Aufwand an Darstellern, Statisten, Kulissen, Kostümen und dementsprechend auch Kosten bezeichnen.

Besonders oft verwendete Stoffe für Monumentalfilme sind historische Themen, häufig vor dem Hintergrund von Kriegen, Revolutionen oder anderen gesellschaftlichen, sozialen und/oder politischen Umbrüchen; oder Biographien historischer Persönlichkeiten. Aber auch fiktive Geschichten, beispielsweise Verfilmungen umfangreicher Romane (z. B. Krieg und Frieden von Leo Tolstoi oder Spartacus von Howard Fast) bis hin zu den Sujets von Fantasy (Der Herr der Ringe) und Science Fiction (Star Wars, Metropolis, 2001: Odyssee im Weltraum) können den Hintergrund für Monumentalfilme bilden. Vom so genannten Sandalenfilm, über Kriegs- und Antikriegsfilm (z. B. Der längste Tag), Western (Heaven’s Gate, Der mit dem Wolf tanzt), Mantel-und-Degen-Film (Barry Lyndon), etwa von der griechisch-antiken Mythologie oder den Märchen aus 1001 Nacht inspirierten Filmen) blieb bislang kaum ein Filmgenre vom Monumentalfilm ausgespart.

Lange Zeit bildeten Historienfilme, die zum Beispiel im alten Ägypten oder in der griechisch-römischen Antike spielen, einen Schwerpunkt unter den Monumentalfilmen; ebenfalls dazu zählen Bibelverfilmungen und Filme, die im persisch-arabisch-indischen Raum (Tausendundeine Nacht) angelegt sind.

Weiterhin zählen zu den frühen Monumentalfilmen auch Die Geburt einer Nation (The Birth of a Nation, 1915) von David Wark Griffith, Napoleon (1927) von Abel Gance und – bezogen auf Themen der Zeitgeschichte – Exodus (1960) von Otto Preminger oder der zweiteilige insgesamt fünf Stunden dauernde Film 1900 (1976) und Der letzte Kaiser (1987), beide von Bernardo Bertolucci.

Höhepunkte des Monumentalfilms

Ein bekannter Regisseur und US-amerikanischer Wegbereiter des Monumentalfilms in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Cecil B. DeMille. Den Höhepunkt erreichte der Monumentalfilm in den 1950er- und 1960er-Jahren. Als ein herausragender Film und Klassiker gilt hier insbesondere das Tonfilmremake von Ben Hur aus dem Jahr 1959, gedreht von William Wyler, ausgezeichnet mit elf Oscars: ein Film, der neue Maßstäbe in der Kino-Technik setzte und vielen als Inbegriff des Monumentalfilms schlechthin gilt. Bereits die Version von Ben Hur aus dem Jahr 1925 unter der Regie von Fred Niblo gilt als ein Meilenstein in der Filmgeschichte. Mit Ben Hur oder auch Quo Vadis und Die Zehn Gebote wurde der Monumentalfilm in einem weit verbreiteten Publikumsverständnis, wenn auch fälschlicherweise, oft mit dem Genre des in der Antike (vor oder um Christi Geburt) angesiedelten Dramas oder Abenteuerfilms (auch bezeichnet als „Sandalenfilm“, „Bibelfilm“ oder „Antikfilm“) gleichgesetzt. Filmgeschichtliche Bedeutung hat in diesem Genre auch Cleopatra (1963; mit Elizabeth Taylor und Richard Burton). Die enorm hohen Produktionskosten von 44 Millionen US-Dollar hatten die Produktionsfirma 20th Century Fox an den Rand des finanziellen Ruins getrieben.

Da sich durch Massenproduktionen, vor allem aus Italien, das Image der in der Antike spielenden Großproduktionen verschlechterte, entwickelte sich der Film mit diesem historischen Hintergrund in den 1970er-Jahren zunehmend zum Verschleißartikel und wurde in Hollywood kaum mehr beachtet. Erst im 21. Jahrhundert erlebte er, beispielsweise mit den erfolgreichen Filmen Gladiator (2000), Troja und Alexander (2004), eine gewisse Renaissance.

Filmliste Monumentalfilme

  • Quo Vadis? (Italien, 1912; Regie: Enrico Guazzoni)
  • Die letzten Tage von Pompeji (Gli ultimi giorni di Pompeii, Italien, 1913; Regie: Mario Caserini, Eleuterio Rodolfi)
  • Cabiria (Cabiria, Italien, 1914; Regie: Giovanni Pastrone)
  • Die Geburt einer Nation (Birth of a Nation, USA, 1915; Regie: David W. Griffith)
  • Intoleranz (Intolerance, USA, 1916; Regie: David W. Griffith)
  • Die Zehn Gebote (The Ten Commandments, USA, 1923; Regie: Cecil B. DeMille)
  • Die Nibelungen (Deutschland, 1924, Regie: Fritz Lang)
  • Ben Hur (Ben-Hur: A Tale of the Christ, 1925; Regie: Fred Niblo)
  • Metropolis (Deutschland, 1927; Regie: Fritz Lang)
  • König der Könige (The King of Kings, 1927; Regie: Cecil B. DeMille)
  • Napoleon (Frankreich, 1927; Regie: Abel Gance)
  • Im Zeichen des Kreuzes (The Sign of the Cross, 1932; Regie: Cecil B. DeMille)
  • Cleopatra (Cleopatra, 1934; Regie: Cecil B. DeMille)
  • Alexander Newski (UdSSR, 1938; Regie Sergei Eisenstein)
  • Vom Winde verweht (Gone With The Wind, USA, 1939; Regie: Victor Fleming)
  • Der Dieb von Bagdad (The Thief of Bagdad, 1940; Regie: Ludwig Berger, Michael Powell, Tim Whelan)
  • Iwan der Schreckliche (UdSSR, 1946; Regie: Sergej M. Eisenstein)
  • Samson und Delilah (Samson and Delilah, 1949; Regie: Cecil B. DeMille)
  • Quo vadis? (Quo Vadis, USA, 1951; Regie: Mervyn LeRoy)
  • David und Bathseba (David and Bathsheba, 1951; Regie: Henry King)
  • Salome (USA, 1952, Regie: William Dieterle)
  • Das Gewand (The Robe, 1953; Regie: Henry Koster)
  • Die Gladiatoren (Demetrius and the Gladiators, 1954; Regie: Delmer Daves)
  • Sinuhe der Ägypter (The Egyptian, 1954; Regie: Michael Curtiz)
  • Die schöne Helena (Helen of Troy, 1955; Regie: Robert Wise)
  • Napoléon (Frankreich, 1955; Regie: Sacha Guitry)
  • Land der Pharaonen (Land of the Pharaohs, 1955; Regie: Howard Hawks)
  • Alexander der Große (Alexander the Great, USA/Spanien, 1956; Regie: Robert Rossen)
  • Sturm über Persien (Omar Khayyam, USA, 1956; Regie: William Dieterle)
  • Krieg und Frieden (War and Peace, USA, 1956; Regie: King Vidor)
  • Die zehn Gebote (The Ten Commandments, USA, 1956; Cecil B. DeMille)
  • Der stille Don (Tikhiy Don, russ.: Тихий Дон, UdSSR, 1957; Regie: Sergei Gerasimov, 340 Min.)
  • Ben Hur (Ben Hur, USA, 1959; Regie: William Wyler))
  • Salomon und die Königin von Saba (Solomon and Sheba, 1959; Regie: King Vidor)
  • Die letzten Tage von Pompeji (Gli Ultimi giorni di Pompei, 1959; Regie: Mario Bonnard)
  • Spartacus (Spartacus, USA, 1960; Regie: Stanley Kubrick)
  • Exodus (Exodus, 1960; Regie: Otto Preminger)
  • Die Kreuzritter (Krzyzacy, Polen, 1960; Regie: Aleksander Ford)
  • König der Könige (King of Kings, USA, 1961; Regie: Nicholas Ray)
  • El Cid (El Cid, USA, 1961; Regie: Anthony Mann)
  • Barabbas (Barabbas, Italien, 1962; Regie: Richard Fleischer)
  • Lawrence von Arabien (Lawrence of Arabia, Großbritannien, 1962; Regie: David Lean)
  • Der längste Tag (The Longest Day, USA, 1962; Regie: Ken Annakin, Andrew Marten, Bernhard Wicki, Darryl F. Zanuck)
  • Cleopatra (Cleopatra, USA, 1963; Regie: Joseph L. Mankiewicz, Rouben Mamoulian)
  • Könige der Sonne (Kings of the Sun, USA, 1963; Regie: J. Lee Thompson)
  • Der Untergang des Römischen Reiches (The Fall of the Roman Empire, USA, 1963; Regie: Anthony Mann)
  • Die größte Geschichte aller Zeiten (The Greatest Story Ever Told, USA, 1965; Regie: George Stevens)
  • Doktor Schiwago (Doctor Zhivago, USA, 1965; Regie: David Lean)
  • Die Bibel (The Bible: In the Beginning..., USA/Italien, 1966; Regie: John Huston)
  • Kampf um Rom (BRD -Italien, 1968; Regie: Robert Siodmak)
  • Krieg und Frieden (Woina i mir, UdSSR, 1968; Regie: Sergei Bondartschuk)
  • Waterloo (Italien, UdSSR, 1969, Regie: Sergei Bondartschuk)
  • Barry Lyndon (Großbritannien, 1975; Regie: Stanley Kubrick)
  • Die Brücke von Arnheim (A bridge too far, Großbritannien, 1976; Regie: Richard Attenborough)
  • Jesus von Nazareth (Jesus of Nazareth, Großbritannien/Italien, 1977; Regie: Franco Zeffirelli)
  • Kampf der Titanen (Clash Of The Titans, USA, 1981; Regie: Desmond Davis)
  • Heaven’s Gate (USA, 1980; Regie: Michael Cimino)
  • Reds (USA, 1981; Regie: Warren Beatty)
  • Gandhi (USA/Großbritannien/Indien, 1982; Regie: Richard Attenborough
  • König David (King David , Großbritannien/USA, 1984; Regie: Bruce Beresford)
  • A.D. – Anno Domini (USA, 1984; Regie: Stuart Cooper)
  • Ran (Japan, 1985; Regie: Akira Kurosawa)
  • Der letzte Kaiser (The Last Emperor, Großbritannien/Frankreich/Italien 1987; Regie: Bernardo Bertolucci)
  • Gladiator (USA - Großbritannien/Malta/Marokko, 2000; Regie: Ridley Scott)
  • Der Herr der Ringe (drei Teile; USA/Neuseeland, 2001 - 2003; Regie: Peter Jackson)
  • Die Passion Christi (The Passion of the Christ, USA/Italien, 2003/04; Regie: Mel Gibson)
  • Troja (Troy, USA/Malta/Großbritannien 2004; Regie: Wolfgang Petersen)
  • Alexander (USA/Großbritannien/Deutschland/Niederlande, 2004; Regie: Oliver Stone)
  • Die letzte Legion (USA, UK, Frankreich, 2007, Regie: Doug Lefler)