Cameo-Auftritt

Filmwissen - Filmlexikon

Ein Cameo-Auftritt oder kurz Cameo ist das überraschende und zeitlich sehr kurze Auftreten einer bekannten Person in einem Film oder einer Serie.

Oftmals wird die betreffende Person in der Werbung zum Film und im Vorspann nicht erwähnt, gelegentlich jedoch im Abspann. Eine einheitliche und exakte Definition, was die Erwähnung im Vor- und Abspann oder die Länge und den Umfang der Rolle betrifft, gibt es jedoch nicht. Der Begriff kommt aus dem Englischen und beschreibt eine Kamee, also ein Relief aus einem Schmuckstein. Wird eine prominente Person dargestellt, kann man sie – wie das Cameo – sofort erkennen.

Erscheinungsformen

Es gibt zwei Erscheinungsformen eines Cameo-Auftritts. Bei einer Form mischt sich ein Prominenter unter die Statisten. Er legt es nicht darauf an, erkannt zu werden, und spielt keine individuelle Rolle. Meist sind es Regisseure, Autoren oder Produzenten, die diesen kurzen und unauffälligen Auftritt in „ihrem“ Film wählen.

In einer anderen Form bekleidet ein Prominenter eine kleine, aber vollwertige Sprechrolle. In manchen Fällen tritt er als „er selbst“ auf, wenn auch gelegentlich in Verkleidung. Das Auftreten des Prominenten kann unterschiedliche Gründe haben. Beispielsweise als Gefälligkeit für am Film Beteiligte und eine Aufwertung des Films durch den Prominenten, als Hommage an frühere Filmteile oder bei Neuverfilmungen an frühere Verfilmungen oder bei Verfilmungen von Serien an die Serie. Diese Form wird häufig als Gastrolle bezeichnet.

Wird der Prominente in Vor- und Abspann nicht genannt, so kann dies verschiedene Gründe haben. So kann es etwa sein, dass sich zum Beispiel Regisseure oder Autoren nicht als Schauspieler sehen, oder dass die Anwesenheit des Prominenten eine besondere Überraschung darstellen soll.

Beispiele

In Zusammenhang mit dem Begriff wird vor allem Alfred Hitchcock gebracht, der erstmals 1927 im Film Der Mieter in Erscheinung trat. Der ursprüngliche Grund für Hitchcocks Auftritte war zweckmäßiger Natur. Da in einigen Szenen seiner ersten Filme Statisten fehlten, mischte er sich mit Teilen der Filmcrew unter die fehlende Menge. Aus der Not am Anfang wurde jedoch sehr bald eine Tradition und ein Mittel der Selbstvermarktung. In späteren Jahren war es eher eine lästige Pflicht. Da das Publikum immer weniger auf die Handlung achtete und stattdessen eher auf das Erscheinen Hitchcocks wartete, wurde sein Auftritt möglichst früh im Film inszeniert. (Siehe dazu auch die Liste aller Hitchcockschen Cameo-Auftritte).

Heute sind vor allem Quentin Tarantino, Peter Jackson, Stephen King und M. Night Shyamalan für kurze Minirollen, meist in ihren eigenen Filmen, bekannt. Auch Erich Kästner war häufig in den Verfilmungen seiner Kinderbücher kurz zu sehen, etwa in Emil und die Detektive als Fahrgast in der Straßenbahn. Helmut Käutner trat in fast allen seinen Filmen kurz auf und hatte überdies auch meist eine Kleinstrolle für seine Ehefrau Erica Balque.

Ferner trat Stan Lee, Schöpfer vieler der Marvel-Comic-Helden, in vielen Comic-Verfilmungen seiner Figuren in Minirollen auf, wird meist jedoch auch im Abspann benannt. Der Kurzauftritt des Produzenten oder Regisseurs ist nicht auf reine Unterhaltungsfilme beschränkt. Im deutschen Autorenkino zeigte sich insbesondere Rainer Werner Fassbinder in seinen Filmen als Komparse oder Statist, so in Die Ehe der Maria Braun in einer Szene als Schwarzmarkthändler.

Der dänische Filmregisseur Lars von Trier ging in seinem Geister-Epos Riget noch ein Stück weiter und trat während des Abspanns in Erscheinung, um eine kurze Zusammenfassung des eben Erlebten zu halten. Diese schloss er damit ab, dass er sich selber dem Zuschauer verbal vorstellte. Das Besondere an dieser Aktion ist, dass Lars von Trier als Mitbegründer von Dogma 95 die Erwähnung des Regisseurs in Vor- und Abspann eigentlich verbietet.

Ein Beispiel für das Auftreten früherer Schauspieler einer Rolle stellt das Erscheinen der ehemaligen Darsteller von Starsky & Hutch (der Fernsehserie) in dem neueren gleichnamigen Kinofilm dar. Ein weiteres Beispiel ist das Auftreten von Julia Roberts im Film Ocean’s Twelve, in dem sie nicht nur die Protagonistin Tess Ocean, die ihr gemäß Handlung des Films ähnlich sieht, sondern auch sich selbst spielt.

Ein etwas anderes Beispiel eines Cameos ist der Auftritt des echten Apollo 13-Astronauten Jim Lovell als Kapitän des Flugzeugträgers USS Iwo Jima im gleichnamigen Hollywoodfilm von 1995 von Regisseur Ron Howard am Ende des Films. Er schüttelt dem Film-Lovell Tom Hanks die Hand zur geglückten Heimkehr.

 

 


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