Dirty Harry

Kult-Filme von A bis Z - Film noir

Dim lights

Dirty Harry ist ein US-amerikanischer Kriminalfilm aus dem Jahre 1971. Der in San Francisco spielende Thriller wurde von Regisseur Don Siegel inszeniert und zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten Polizeifilmen. Er zeigt den unkonventionellen, von Clint Eastwood dargestellten Inspektor Harry Callahan auf der Jagd nach einem psychopathischen Serienmörder.

Handlung

Ein unbekannter Killer tötet vom Dach eines Wolkenkratzers aus ein ahnungsloses Mädchen. Der Täter, der sich selbst „Skorpion“ nennt, droht mit weiteren Morden und fordert Lösegeld. Der Bürgermeister beauftragt Inspektor Harry Callahan damit, den Killer schnellstens zu fassen. Callahan, ein zynischer Einzelgänger, ist für seine harten, wenn auch effektiven Ermittlungsmethoden bekannt und hat regelmäßig Ärger mit seinen Vorgesetzten.

Mit seinem jungen Partner Gonzales – der dem widerwilligen Inspektor zwangsweise zugeteilt wird – nimmt Callahan die Ermittlungen auf. Bei einer aufwendigen Lösegeldübergabe wird der Inspektor von Skorpion, einem jungen Psychopathen im Hippie-Look, brutal misshandelt. Callahan spürt den Killer in seinem Versteck auf und presst mit Foltermethoden den Aufenthaltsort seines letzten Opfers, eines 14-jährigen Mädchens, aus ihm heraus. Es ist vergebens: das Mädchen, von Skorpion lebendig begraben, ist bereits erstickt. Skorpion startet eine öffentliche Kampagne gegen Inspektor Callahan, dem Willkür und Brutalität vorgeworfen wird. Als der Killer einen Schulbus voller Kinder in seine Gewalt bringt, wird er von Callahan gestellt und nach einer Verfolgungsjagd erschossen. Angewidert wirft der Inspektor seine Polizeimarke weg.

Entstehung

Die Handlung des Films basiert auf den Ereignissen um den „Zodiac-Killer“, der in den späten 1960er Jahren in San Francisco wahllos Menschen erschoss. Der „Zodiac Killer“ wurde nie gefasst.

Die Filmfigur des Callahan geht auf den echten Zodiac-Ermittler David Toshi zurück, der Detective beim SFPD war.

Zunächst sollte Frank Sinatra die Rolle des Harry Callahan spielen. Als Sinatra wegen einer Handverletzung ausschied, waren Steve McQueen, Paul Newman und John Wayne für die Rolle im Gespräch. Schließlich wurde sie von Clint Eastwood übernommen. Die Rolle des Scorpio sollte zunächst von Audie Murphy gespielt werden, der dann aber bei einem Flugzeugabsturz verstarb. Bevor Don Siegel die Regie übernahm, waren auch Irvin Kershner und Sydney Pollack in der engeren Wahl.

Der Film sollte zunächst in Seattle gedreht werden, doch Siegel und Eastwood entschieden sich dafür, als Schauplatz San Francisco auszuwählen. Clint Eastwood führte alle Stunts in dem Film selbst aus, darunter auch den riskanten Sprung von der Brücke auf das Dach des fahrenden Busses.

Erfolg & Fortsetzung

Dirty Harry erwies sich weltweit als Hit und wurde zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres 1971. Nachdem Clint Eastwood durch seine Western und Action-Filme bereits sehr populär geworden war, gelang ihm mit diesem Film der Durchbruch zum Hollywood-Superstar.

In der zynischen, illusionslosen Figur des Harry Callahan spiegelte sich der Zeitgeist der Vietnam- und Watergate-Ära wider. Das Misstrauen gegenüber den etablierten Institutionen wurde von Callahan in drastischer Weise artikuliert, indem er die bestehenden Gesetze als „crazy (verrückt)“ bezeichnete. Der Film thematisiert die Problematik des im amerikanischen Strafprozessrecht weit verbreiteten Beweisverwertungsverbotes für unrechtmäßig erlangte Beweismittel. Callahan bezeichnet die dahingehenden Gesetze als verrückt, weil sie dazu führen, dass erkannte Mörder unbehelligt bleiben, obwohl die identifizierte Tatwaffe bei ihnen gefunden wurde.

Doch während in den New-Hollywood-Filmen derselben Zeit die Gesellschaft aus einer linken Perspektive kritisiert wurde, vertrat Callahan in der Rolle des überlebensgroßen Revolvermannes eher konservative Ideale. Callahan „löste“ die Probleme mit seinem riesigen Revolver (ein Smith & Wesson im Kaliber .44 Magnum) – „Die bläst einem den Kopf weg“; "Das ist eine .44-er Magnum, die stärkste Handfeuerwaffe der Welt. "(Callahan).

In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen, dass der Skorpion-Killer ein Hippie ist und der Film in der Flower-Power-Metropole San Francisco spielt. Die naheliegende Deutung ist, dass Dirty Harry auch ein – in bürgerlichen Kreisen – weit verbreitetes Unbehagen gegenüber der Gegenkultur der 1960er Jahre ausdrückt.

Dirty Harry wurde kontrovers diskutiert und zum Beispiel von der einflussreichen Filmkritikerin Pauline Kael scharf angegriffen, da er ihrer Ansicht nach Selbstjustiz propagierte. Clint Eastwood wies diese Deutung zurück und ließ für die Fortsetzung Dirty Harry II – Callahan (1973) eine Handlung entwerfen, mit der er die Kritik an Dirty Harry entkräften wollte: Callahan bekämpft hier eine Gruppe von Polizisten, die Lynchjustiz praktizieren.

Die widersprüchliche Figur des Inspektors Callahan war für viele Zuschauerschichten attraktiv und wurde im Lauf der Jahre zu einem Kultcharakter des amerikanischen Kinos.

Der harte, zynische Grundton von Dirty Harry prägte den internationalen Kriminal- und Polizeifilm der 1970er Jahre. Einflüsse sind zum Beispiel in dem sehr erfolgreichen Selbstjustiz-Film Ein Mann sieht rot (1974) mit Charles Bronson oder in dem französischen Thriller Angst über der Stadt (1974) mit Jean-Paul Belmondo zu erkennen.

In jedem Dirty-Harry-Film wird während der ersten fünf Minuten eine Person ermordet. In jedem Film verhindert Callahan einen Raubüberfall.

Der bekannte Einzeiler „Go ahead, make my Day!“ („Mach schon, versüß mir den Tag!“), mit dem Callahan seine Widersacher zu einer unüberlegten Aktion provozieren will und der die Verachtung für sie ausdrückt, wurde erst 1983 in Dirty Harry IV – Dirty Harry kommt zurück gesprochen. Ursprünglich stammt dieser Satz aus dem Film Vice Squad, der ein Jahr vorher gedreht wurde und in dem der Schauspieler Gary Swanson diese Worte spricht.

Die letzte Szene des Films nimmt auf das Ende von Fred Zinnemanns Western Zwölf Uhr mittags Bezug.

Fortsetzungen

Die Popularität der Dirty-Harry-Figur war in den 1970er und 1980er Jahren so groß, dass bis 1988 vier Fortsetzungen produziert wurden. Nach allgemeinem Tenor erreichte keine die Qualität des Originalfilms.

  • Dirty Harry II – Callahan (1973)
  • Dirty Harry III – Der Unerbittliche (1976)
  • Dirty Harry kommt zurück (1983)
  • Das Todesspiel (1988)

Kritik

„Thriller, perfekt in Schnitt und Kameratechnik, atmosphärisch dicht in seiner Milieuzeichnung, doch andererseits auch äußerst fragwürdig, was die Methoden der Verbrechensbekämpfung und den Aspekt der Selbstjustiz anbelangt.“

– TV Spielfilm Filmlexikon

 

„Dirty Harry ist, bei hohen formalen Qualitäten, einer der härtesten und zwiespältigsten Filme, den das amerikanische Actionkino der 70er Jahre hervorgebracht hat. Don Siegel sieht die Welt häßlich, brutal, ohne Menschlichkeit, doch ist seine Verbitterung ohne eine moralische Dimension wohl nicht denkbar: Sein Zynismus macht ihm keinen Spaß.“

– Lexikon des internationalen Films

Filmdaten

  • Deutscher Titel: Dirty Harry
  • Originaltitel: Dirty Harry
  • Produktionsland: USA
  • Erscheinungsjahr: 1971
  • Länge: ca. 99 Minuten
  • Originalsprache: Englisch
  • Altersfreigabe: FSK 16
  • Regie: Don Siegel
  • Drehbuch: Harry Julian Fink, Rita M. Fink, Dean Riesner, John Milius
  • Produktion: Robert Daley, Carl Pingitore, Don Siegel
  • Musik: Lalo Schifrin
  • Kamera: Bruce Surtees
  • Schnitt: Carl Pingitore
  • Besetzung
    • Clint Eastwood: Insp. „Dirty Harry“ Callahan
    • Harry Guardino: Lt. Al Bressler
    • Reni Santoni: Insp. Chico Gonzales
    • John Vernon: Bürgermeister
    • Andrew Robinson: Scorpion-Killer
    • John Larch: ‚Der Chef‘
    • Josef Sommer: Rothko

 

 


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