Der Club der toten Dichter

Kult-Filme von A bis Z - Komödien / Tragikomödien

Der Club der toten Dichter ist eine Tragikomödie von Peter Weir. Nancy H. Kleinbaum schrieb auf der Grundlage des Drehbuchs später einen Roman mit demselben Titel.

Inhalt

Todd Anderson kommt zu Beginn des Schuljahres 1959 an die traditionelle, konservative Welton Academy, einem Internat für Jungen im Oberstufenalter im US-Bundesstaat Vermont. Todd ist ein schüchterner und in sich gekehrter Junge, der im Schatten seines älteren Bruders steht, der einer der Besten der Schule war.

Ebenfalls neu an der Schule ist der Englischlehrer John Keating, der selbst einmal Schüler von Welton war. Keatings Unterricht verblüfft die Schüler schon in der ersten Stunde. Mit unkonventionellen Methoden fordert der Lehrer sie zu selbständigem Handeln und freiem Denken auf.

Da ihm die individuelle Förderung seiner Schüler sehr wichtig ist, fordert er beispielsweise den schüchternen Todd in den folgenden Wochen immer wieder dazu heraus, sich mehr zuzutrauen und seine eigenen Möglichkeiten auszuloten; langsam lernt Todd sich selbst kennen und achten. Keating vermittelt seinen Schülern die Welt der Poesie und der schönen Dinge des Lebens; sie sollen Poesie mit dem Herzen nachvollziehen, sie in sich entdecken und nicht nur etwas wiederholen, was sie zuvor gelernt haben. Dazu gehört auch das Verfassen und Vortragen eigener Gedichte.

 

In einem alten Schuljahrbuch stoßen sie auf den damaligen Schüler Keating und erfahren, dass er dem sogenannten „Club der toten Dichter“ angehört hat. Darauf bei nächster Gelegenheit angesprochen, erklärt Keating ihnen, worum es in diesem Club ging: man traf sich in einer nahen Höhle im Wald zur (geheimen und verbotenen) Würdigung leidenschaftlicher Poesie. Einige der Schüler beschließen daraufhin, den Club wieder ins Leben zu rufen. Sie schleichen sich nachts vom Gelände, treffen sich in der besagten Höhle, tragen einander Gedichte vor und genießen die Gemeinschaft jenseits der engen und direktiven Mauern der Schule. Zur Eröffnung jeder „Sitzung“ des Clubs wird traditionell, wie schon zu Keatings Zeiten, ein Auszug aus Walden von Henry David Thoreau von allen Mitgliedern gemeinsam rezitiert.

Keatings ungewöhnliche Methoden und Inhalte – um zu sehen, wie wichtig ein Perspektivwechsel ist, müssen sich seine Schüler einmal alle aufs Lehrerpult stellen und die Welt von dort betrachten; ein andermal lässt er sie über den Schulhof marschieren, um die Macht der Anpassung darzustellen – stoßen bei seinen konservativen Kollegen und den Eltern der Schüler auf Ablehnung. In den Schülern jedoch wächst der Wunsch, sich eigene Ziele zu setzen und Schritte zu ihrer Verwirklichung zu gehen.

So entdeckt einer der Schüler, Neil Perry, seine Leidenschaft fürs Theaterspielen. Er bekommt in einer örtlichen Aufführung des Sommernachtstraums die Rolle des Puck und spielt sie mit großem Erfolg, wobei er sich jedoch – gegen den Rat seiner Mitschüler und Keatings – den Weisungen seines gebieterischen Vaters hinter dessen Rücken widersetzt. Der Vater allerdings, davon überzeugt, Keating habe Neil dazu angestiftet, erscheint in der Premiere, zerrt seinen Sohn aus dem Theater, verbietet ihm die Schauspielerei und kündigt ihm an, ihn auf eine Militärakademie schicken zu wollen. Daraufhin nimmt Neil sich das Leben.

Auf der Suche nach einem Schuldigen für Neils Tod macht die Schulleitung Keatings Erziehung zu selbstständigem Denken verantwortlich: bei unbedingtem Gehorsam wäre das nicht passiert. Die Mitglieder des „Clubs der toten Dichter“ werden, schon um sich selbst zu retten, dazu gedrängt, wider besseres Wissen eine vorgefertigte Erklärung zu unterschreiben, die Keating mit unwahren Behauptungen die alleinige Schuld in die Schuhe schiebt, worauf Keating die Schule verlassen muss.

Nachdem Keating noch einige persönliche Dinge aus seinem Klassenzimmer geholt hat und vom Schulleiter unhöflich zum Gehen aufgefordert wird, hält Todd Anderson den Druck seines Gewissens nicht mehr aus. Er steigt auf sein Pult und erweist dem Lehrer, dem er so viel verdankt, mit der von diesem bevorzugten Anrede „O Captain, mein Captain“ seinen Respekt. Ihm schließt sich nach und nach eine Reihe von Schülern an, während der Schulleiter wütend, aber machtlos, durch die Reihen läuft und die Schüler zum Hinsetzen auffordert. Keating dankt den Jungen tief berührt und geht.

Schule

Die Leitideen des Welton Internats sind: Tradition, Ehre, Disziplin, Leistung („Leistung“ im Original: excellence; im Deutschen unterschiedlich übersetzt). Die Schüler kommen aus reichen Familien. Das Internat ist erzkonservativ und wertegebunden; dies ist das Konzept der Schule, das die Schüler zum beruflichen Erfolg führen soll. Man hat deshalb strenge Verhaltensrichtlinien aufgestellt, um die jungen Schüler zu disziplinieren.

„Carpe diem“

Der Zentral- und Lehrsatz dieses Films ist Carpe diem (lat., wörtlich übersetzt Pflücke den Tag, etwas freier Genieße den Tag oder Nutze den Tag). Der Mensch sollte aus seinem Leben etwas Besonderes machen; jedes einzelne Leben sollte ein außergewöhnliches sein oder werden. Keating will seine Schüler zu frei denkenden Menschen erziehen. Sie sollen Dinge von anderen Standpunkten aus betrachten.

Damit in Zusammenhang steht die Poesie, die Keating seinen Schülern nahezubringen versucht: Poesie könne man nicht mit starren wissenschaftlichen Methoden erfassen, man müsse sie leben, erleben. Man solle die Poesie zu einem Instrument für sich selbst machen, zu einem Instrument, mit dem man Gefühle ausdrücken und vermitteln kann.

Hier führt dies zur entscheidenden Konfrontation: auf der einen Seite die erzkonservativen Eltern und das Internat, auf der anderen Seite die Ideen des Freigeistes, der Individualität.

Keating versucht, für seine Schüler auf diesem Weg – auf dem Weg zu mehr geistiger Freiheit und der Schönheit und Kraft der Poesie – ein Lenker, also ein Kapitän, zu sein:

‚O Captain, mein Captain‘ Wer weiß, von wem das ist?. .. Wer weiß es?. .. Keine Ahnung?. .. Es ist aus einem Gedicht von Walt Whitman über Mr. Abraham Lincoln. Also, Sie sprechen mich entweder mit Mr. Keating an – oder, wenn Sie etwas mutiger sind, sagen Sie: ‚O Captain, mein Captain!‘“ (Keating zu seinen Schülern) [Quelle: Film: „Der Club der toten Dichter“]

Keatings Haltung zur Poesie

Poesie ist laut Keating überall anzutreffen, neben der Literatur u.a. auch in der Mathematik und in der Photographie. Die Poesie und alle von ihr thematisierten Sachverhalte (Gerechtigkeit, Liebe, Freiheit) bieten dem Menschen laut Keating einen Grund zu leben. Allerdings sagt er auch, dass daneben der berufliche Erfolg eine zentrale Rolle spielt. Des Weiteren meint Keating, dass Poesie ein wichtiges Mittel sei, Frauen zu verführen .

Kritiken

  • Fischer-Film-Almanach 1991: Die Inszenierung lässt in Besetzung, Kamera und Ausstattung keine Wünsche offen.
  • Rowohlt-Filmlexikon: Peter Weir findet für die bewegende Story faszinierende Bilder. Ein in Thema und Machart gleichermaßen beachtlicher Film, in dem sich Humor, jugendliche Abenteuerlust, Tragik und revolutionärer Geist fast nach klassischem Maßstab die Waage halten.

Unterschiede von Film und Buch

Während sich im Buch das Augenmerk auf Neil Perry und Todd Anderson gleichermaßen richtet, spielt Neil Perry im Film eindeutig die Hauptrolle. Seine Geschichte, Selbstmord als Flucht aus der „Gefangenschaft“, ist im Film leicht darstellbar. Todd Anderson und seine Entwicklung dagegen werden im Film nur unvollkommen herausgearbeitet; so unterschreibt Todd im Film am Ende die vorgefertigte Erklärung zu Keatings alleiniger Schuld, im Buch aber verweigert er seine Unterschrift – die Entwicklung zu einem selbständig denkenden und handelnden Menschen, die Hauptintention Keatings, ist bei ihm ebenso erfolgt wie bei Neil Perry, der Todd im Buch jedoch weicht den entstehenden Konflikten nicht aus.

Auszeichnungen

  • Der Film gewann bei der Oscarverleihung 1990 den Oscar für das beste Originaldrehbuch. Nominierungen erhielt er in den Kategorien Bester Film, Beste Regie (Peter Weir) und Bester Hauptdarsteller (Robin Williams).
  • Er gewann 1990 den BAFTA-Film-Award in der Kategorie Bester Film.
  • Der Film wurde 1989 mit dem Political Film Society Award für Demokratie ausgezeichnet.

Sonstiges

  • Ursprünglich war Liam Neeson für die Hauptrolle vorgesehen.
  • Ethan Hawke und Robert Sean Leonard schafften mit Der Club der toten Dichter den Durchbruch als Schauspieler.

Literatur

  • Nancy H. Kleinbaum: Der Club der toten Dichter. Roman. Das Buch zum großen Film (OT: Dead Poets Society). 24. Auflage. Lübbe, Bergisch Gladbach 1996, ISBN 3-404-11566-X
  • Stefan Munaretto: Nancy H. Kleinbaum: Der Club der toten Dichter (Dead Poets Society). Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 431). Bange Verlag, Hollfeld 2005. ISBN 3-8044-1817-1

Filmdaten

  • Deutscher Titel: Der Club der toten Dichter
  • Originaltitel: Dead Poets Society
  • Produktionsland: USA
  • Erscheinungsjahr: 1989
  • Länge: 123 Minuten
  • Originalsprache: englisch
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Regie: Peter Weir
  • Drehbuch: Tom Schulman
  • Produktion: Steven Haft, Paul Junger Witt, Tony Thomas
  • Musik: Maurice Jarre
  • Kamera: John Seale
  • Schnitt: William M. Anderson
  • Besetzung
    • Robin Williams: John Keating
    • Robert Sean Leonard: Neil Perry
    • Kurtwood Smith: Tom Perry
    • Ethan Hawke: Todd Anderson
    • Josh Charles: Knox Overstreet
    • Alexandra Powers: Chris Noel
    • Gale Hansen: Charlie Dalton
    • Lara Flynn Boyle: Ginny Danburry
    • Leon Pownall: McAllister
    • Melora Walters: Gloria
    • Debra Mooney: Mrs. Anderson
    • Jamie Kennedy: ohne Rollenbezeichnung
    • Norman Lloyd: Mr. Nolan
    • Dylan Kussman: Richard Cameron
    • Allelon Ruggiero: Steven Meeks
    • James Waterston : Gerard Pitts

 

 


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