Kriegsfilm / Antikriegsfilm: Das Genre

Filmwissen - Filmgenres

Der Kriegsfilm als Filmgenre umfasst diejenigen Spielfilme, also Kino- oder Fernsehfilme, in denen die kriegerischen Auseinandersetzungen den Hintergrund für die handelnden Personen abgeben und deren Handlungsstränge ganz oder zum großen Teil in einem Kriegsszenario verlaufen.

Abgrenzung

Als Kriegsfilme im eigentlichen Sinn gelten in der derzeitigen medienwissenschaftlichen Diskussion nur Spielfilme, nicht aber Dokumentarfilme. Eine übereinstimmende Meinung darüber, wie viel Krieg in einem Film vorhanden sein muss, um ihn zum Kriegsfilm zu machen, lässt sich nur in Ansätzen finden. Da das Vorkommen von Konflikten und auch ihre Lösung durch verschiedene Arten von Gewalt im Grunde in allen Genres notwendig ist, um eine dramatische Struktur entstehen zu lassen, bot sich aufgrund der in ihm stattfindenden physischen und psychischen Bedrohungen schon immer der Krieg an, um mit ihm als Hintergrund den Kampf des Helden um sein Schicksal zu veranschaulichen. Aus diesem Grund finden sich kriegerische Elemente auch oft in Dramen (Wie ein Licht in dunkler Nacht, 1992), in der Science-Fiction (Independence Day, 1996) oder in Fantasyfilmen (Der Herr der Ringe: Die zwei Türme, 2002).

Während einige Autoren diese Filme zu den Kriegsfilmen rechnen wollen, geht die Mehrheitsmeinung dahin, nur jene Filme als Kriegsfilme zu bezeichnen, die kriegerische Konflikte des 20. Jahrhunderts als Thema oder als Hintergrund haben. Dies schließt allerdings auch Filme aus, die – zum Teil in breiter Form – Kriege vergangener Jahrhunderte thematisieren (Alexander, 2004 oder Master & Commander – Bis ans Ende der Welt, 2003) und die demnach eher als Historienfilme bezeichnet werden. Eine Ausnahme bilden im US-amerikanischen Raum die Filme über den Sezessionskrieg, der bereits zu den modernen Kriegen gezählt wird und Filme vor diesem Hintergrund deshalb als Kriegsfilme gelten.

Der Begriff Antikriegsfilm – von Regisseur Francis Ford Coppola noch anders gebraucht – bezeichnet dagegen in der neueren filmwissenschaftlichen Diskussion kein eigenes Genre mehr, sondern wird nur noch als Prädikat für jene Kriegsfilme verwendet, die in bewusst zum Frieden mahnender Absicht die Schrecken des Krieges zeigen. Ein solches Prädikat ist jedoch höchst subjektiv, es gibt kaum Filme, die unbestritten als Antikriegsfilme gelten.

Merkmale des Kriegsfilms

Vereinfacht ausgedrückt thematisiert der Kriegsfilm auf der narrativen Ebene Auseinandersetzungen unter Verwendung moderner Waffen- und Kriegstechnik. Eine Eigenschaft der modernen Kriegsführung ist die vollständige Anonymisierung des einzelnen Soldat aufgrund des ins Gewaltige gesteigerten Vernichtungspotentials der modernen Waffen. In einer Gegenbewegung dazu zeigen die Kriegsfilme der 1980er Jahre vermehrt die männliche Körperlichkeit und einen archaischen Krieger (Rambo, 1982), während gerade neuere Kriegsfilme in besonderer Weise die Verletzungsanfälligkeit des menschlichen Körpers und die Möglichkeit seiner Zerstörung inszenieren. Ein Beispiel hierfür ist Der Soldat James Ryan (1998).

Diese Eingliederung des Einzelnen in die kollektive „Militärmaschinerie“ wird in vielen Filmen verdeutlicht, wenn die Hauptperson als Rekrut lernt, sich in den militärischen Alltag einzufügen (Full Metal Jacket, 1987 oder in Jarhead – Willkommen im Dreck, 2005). Gleichzeitig muss sich auch hier die Hauptfigur als Individuum beweisen. Dies geschieht in den meisten Kriegsfilmen gerade dadurch, dass die Hauptfigur ein möglichst perfekter Soldat wird. Mit anderen Worten, indem der Held den Krieg meistert, erhält er seine Individualität zurück.

Aufgrund visueller, auditiver und narrativer Merkmale kann die Grundstruktur von Kriegsfilmen folgendermaßen beschrieben werden:

  •  Der Kriegsfilm stellt eine Mischung aus Fiction und Non-Fiction dar. Mag auch die Geschichte fiktional sein, so ist doch dem Zuschauer bewusst, dass das Gezeigte durchaus so oder ähnlich stattgefunden haben könnte. Gleichzeitig weiß der Zuschauer meist Bescheid, welche Gruppen sich gegenüberstehen und wie der historische Ausgang dieses Konfliktes war. Dies steigert zum Einen den Anspruch der Zuschauer an den Realitätsgehalt des Film im Gegensatz zu z. B. dem Actionfilm, zum Anderen erhält der Kriegsfilm durch die Nähe zum tatsächlich Geschehenen eine gewisse „Denkmal-Funktion“, in der er die Schrecken vergangener Kriege in Erinnerung halten kann.
  • Protagonist des Kriegsfilms ist entweder, wie oben angedeutet, ein Held, der sich in der Situation von Krieg und Armee beweisen und eine Entwicklung durchlaufen muss, oder ein Kollektiv aus bunt gemischten Individuen, das sich über interne Differenzen hinweg zu einer Einheit entwickeln muss, um erfolgreich aus den Bedrohungen hervor zu gehen. Die Gefahr, die hierbei droht, ist die Idealisierung von Krieg und Soldatentum als „Charakterschmiede“ und die Propagierung „wahrer Kameradschaft unter Männern“ in der militärischen Gemeinschaft.
  • Inszeniert wird der Kriegsfilm als visuell-auditives Spektakel. Da die Auseinandersetzung zwischen Gegnern auch filmisch umgesetzt werden muss, verwendet der Kriegsfilm Stunts, pyrotechnische und auditive Effekte, die denen des Actionfilm ähneln. Die Gefahr hierbei ist allerdings, dass auch Filme, die sich als kriegskritisch verstehen möchten, selbst das kriegerische Spektakel nur um des Spektakels willen zeigen oder dem Zuschauer durch zu viele visuelle und auditive Eindrücke den Weg zur kritischen Reflexion des Filmes erschweren. Ein Film, dem dieser Vorwurf oft gemacht wird, ist Apocalypse Now, R: Francis Ford Coppola, USA 1979.

Exemplarisch können hier folgende einflussreiche Filme genannt werden:

  • Die Geburt einer Nation (Birth Of A Nation R: David W. Griffith, USA 1915; Amerikanischer Bürgerkrieg/Sezessionskrieg)
  • Im Westen nichts Neues (All Quiet On Western Front, R: Lewis Milestone, USA 1930; Erster Weltkrieg)
  • Wem die Stunde schlägt (Film) (For Whom the Bell Tolls, R: Sam Wood, USA 1943; Spanischer Bürgerkrieg)
  • Wege zum Ruhm (Paths Of Glory, R: Stanley Kubrick, USA 1957; Erster Weltkrieg)
  • Die Brücke (R: Bernhard Wicki, Deutschland 1959; Zweiter Weltkrieg)
  • Der letzte Befehl (The Horse Soldiers, R: John Ford, USA 1959; Amerikanischer Bürgerkrieg/Sezessionskrieg)
  • Bataillon der Verlorenen (Uomini contro, R: Francesco Rosi, Italien/Jugoslawien 1970; Erster Weltkrieg)
  • M*A*S*H (R: Robert Altman, USA 1970; Koreakrieg)
  • Johnny zieht in den Krieg (Johnny Got His Gun, R: Dalton Trumbo, USA 1971; Erster Weltkrieg)
  • Apocalypse Now (R: Francis Ford Coppola, USA 1979; Amerikanischer Indochinakrieg – Vietnamkrieg)
  • Das Boot (R: Wolfgang Petersen, Deutschland 1981; Zweiter Weltkrieg)
  • Platoon (R: Oliver Stone, USA 1986; Amerikanischer Indochinakrieg – Vietnamkrieg)
  • Full Metal Jacket (R: Stanley Kubrick, USA 1987; Amerikanischer Indochinakrieg – Vietnamkrieg)
  • Geboren am 4. Juli (Born On The Fourth Of July, R: Oliver Stone, USA 1989; Amerikanischer Indochinakrieg – Vietnamkrieg)
  • Der Soldat James Ryan (Saving Private Ryan, R: Steven Spielberg, USA 1998; Zweiter Weltkrieg)
  • No Man's Land (R: Danis Tanović, Bosnien-Herzegowina 2001; Balkankonflikt)
  • Black Hawk Down (R: Ridley Scott, USA 2001) (Somalia)
  • Flags of Our Fathers (R: Clint Eastwood, USA 2006; Zweiter Weltkrieg)
  • Band of Brothers – Wir waren wie Brüder (GB, USA 2001; Zehnteiliger Kriegsfilm von D-Day bis zum Kriegsende)

 

 


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