Flucht ins 23. Jahrhundert

Kult-Filme von A bis Z - Science Fiction

Flucht ins 23. Jahrhundert, auch unter dem Originaltitel Logan’s Run bekannt, ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1976. Er basiert auf der Romanvorlage von William F. Nolan und George Clayton Johnson.

Handlung

Handlungsort ist eine im Nordosten der USA gelegene Stadt in einer entfernteren Zukunft. Für die Menschen ist diese von der Außenwelt abgeschlossene und von einer gigantischen Kuppel abgedeckte Stadt der natürliche Lebensraum. Es führt anscheinend kein Weg hinaus, und niemand weiß, wie es außerhalb der Kuppel aussieht.

Die Menschen führen jedoch ein oberflächlich gesehen angenehmes Leben. Architektonische Wunderwerke wechseln sich ab mit anmutigen Parks und Freizeitanlagen. Drogen und Halluzinogene gehören zum Leben, kosmetische Operationen werden schnell, schmerzlos und erfolgreich durchgeführt. Sexuelle Freizügigkeit ist gewährleistet, es gibt Liebeslifte, und Monogamie ist verpönt. Auf den ersten Blick erscheint diese Welt als Paradies. Es gibt jedoch einen entscheidenden Haken: Kein Bewohner darf älter als 30 Jahre werden. An seinem dreißigsten Geburtstag muss jeder Mensch das sogenannte Karussell besuchen, eine Art religiöses Zentrum. Im dort durchgeführten Ritual – der „Erneuerung“ – sollen die Menschen vorgeblich „wiedergeboren“ werden und dabei eine höhere Bewusstseinsstufe erreichen. Tatsächlich werden sie jedoch getötet.

 

Damit die Sandmänner – die Polizisten der Stadt – jederzeit das Alter der Bewohner überprüfen können, trägt jeder Mensch einen Lebenskristall, der in die Handfläche eingearbeitet ist. Im Alter von acht Jahren wird der Kristall gelb, mit 16 Jahren grün und mit 23 Jahren rot. Jeder Einwohner trägt außerdem Kleidung in der Farbe seines Lebenskristalls. Ausgenommen sind die durchweg schwarz und grau gekleideten Sandmänner. Zehn Tage vor dem 30. Geburtstag beginnt der Kristall zu blinken – als Zeichen, dass der Gang ins Karussell bevorsteht.

Ein gigantischer Computer im Zentrum der Stadt überwacht alle Lebenskristalle und setzt die Sandmänner auf sogenannte Läufer an. So werden all diejenigen bezeichnet, die nicht an den Ritus der Erneuerung glauben und älter als 30 Jahre werden wollen. Eine Legende besagt, dass es außerhalb der Stadt einen Ort namens „Zuflucht“ gibt, auch mystisch Sanktuarium genannt. Ob es diesen Ort wirklich gibt, weiß niemand. Die Läufer versammeln sich in einem versteckten Winkel der Kuppelstadt und philosophieren dort über das Sanktuarium.

Logan 5 ist ein erfahrener Sandmann und hat selbst nur noch wenige Jahre vor sich. Er wird vom Computer ausgewählt, die Läufer zu infiltrieren. Seine Aufgabe ist es, das Sanktuarium zu finden und zu zerstören, sofern es existiert. Um seine Identität als Läufer glaubhafter zu machen, wird sein Lebenskristall auf den eines Dreißigjährigen vorgestellt. Ob Logan 5 nach Erfüllung seines Auftrages die ihm gestohlenen vier Jahre zurück erhalten wird, bleibt zunächst offen.

Logan 5 trifft auf Jessica 6, die Mitglied des Netzwerkes der Läufer ist. Nur mit Mühe kann er sie überzeugen, keinen Verrat zu planen. Mit ihrer Hilfe findet er Zugang zum geheimen Treffpunkt der Läufer. Logans bester Freund Francis 7, inzwischen misstrauisch geworden, nimmt die Verfolgung auf. Er wird Zeuge, wie Logan 5 einen Läufer nicht exekutiert, wie es seine Pflicht gewesen wäre, sondern sogar Fluchthilfe leistet. Francis 7 erschießt den weiblichen Läufer und greift daraufhin Logan 5 und Jessica 6 an, denen die Flucht in den Untergrund der Stadt gelingt, verfolgt von Francis 7.

Durch ein Labyrinth verfallener und offenbar lange unbenutzter technischer Anlagen gelangen Logan 5 und Jessica 6 über einen Aufzug in eine Höhle oberhalb der Stadt. Dort treffen sie zunächst auf den Roboter BOX. Von ihm erfahren sie, dass er alle bisherigen über 1000 Läufer, die denselben Fluchtweg benutzt hatten, gemäß seiner uralten Programmierung eingefroren und dadurch haltbar gemacht hatte. Um dem gleichen Schicksal zu entgehen, wird der Roboter "BOX" von Logan 5 zerstört. Er und Jessica 6 erreichen schließlich die Oberfläche – eine romantische Wildnis im Geiste der 1970er / 1980er Jahre, in der die Natur die ihr „gestohlenen“ Gebiete zurückerobert hat.

Logan und Jessica machen sich auf den Weg, um Menschen oder wenigstens Spuren davon zu finden. Die vergangenen Ereignisse rekapitulierend, kommen sie schließlich zu der Erkenntnis, das „Sanktuarium“ sei nur ein Mythos.

Nach langer Suche begegnen sie schließlich in den Ruinen von Washington einem Mann (Peter Ustinov), der weitaus älter ist als die erlaubten 30 Jahre. Durch den Alten wird ihnen klar, dass die Altersgrenze ihrer Gesellschaft willkürlich geschaffen wurde und nur der Populationsbegrenzung innerhalb der Städte dient. Diese künstliche Begrenzung ergibt jedoch keinen Sinn, da Leben außerhalb der Kuppelstädte jederzeit möglich ist.

Plötzlich taucht Francis 7 auf, der den beiden die ganze Zeit über auf der Spur war. Es kommt zum Kampf, in dessen Verlauf er von Logan 5 getötet wird.

Logan, Jessica und der alte Mann kehren in die Stadt zurück, um den Einwohnern den Irrsinn der Erneuerung zu erklären. Während der alte Mann vor der Stadt wartet, begeben sich Logan und Jessica in die Kuppelstadt, werden dort allerdings von den Sandmännern verhaftet. Beim anschließenden Verhör berichtet Logan von seinen Entdeckungen außerhalb der Kuppel: das „Sanktuarium“ ist ein Mythos, es existieren lediglich Ruinen und die Läufer wurden von BOX eingefroren. Da dies dem widerspricht, was der Computer als gegebenen Fakt ansieht, führt dies zu seiner Selbstzerstörung – die Bewohner sind nun frei und können die Stadt verlassen. Der Film endet mit einer Einstellung, in der sich die Bewohner um den alten Mann versammeln.

Unterschiede zur Literaturvorlage

Abgesehen von der grundlegenden Prämisse weicht der Film nicht nur in Details stark vom Roman ab. Insbesondere die Motivationen der Figuren und zentrale Aussagen wurden geändert. Im Buch ist allen Beteiligten bewusst, dass sie ihr Leben mit Erreichen der Altersgrenze definitiv beenden. Logan wird nicht durch Weisung zum „Läufer“, sondern handelt aus persönlichem Antrieb, ursprünglich sogar in rein destruktiver Absicht. Francis verfolgt ihn, um die Zerstörung der real existierenden „Zuflucht“ zu verhindern, die sich auf einer Raumstation im Orbit um den Mars befindet. Während sich Logan und Jessica mit einer Rakete dorthin aufmachen, bleibt Francis auf der Erde zurück, um weiteren Menschen zur Flucht zu verhelfen.

Hintergrund

Flucht ins 23. Jahrhundert, der mit über 9 Millionen US-Dollar fast so teuer wurde wie Krieg der Sterne, war kommerziell gesehen ein großer Erfolg und spielte in den ersten fünf Tagen bereits 2,5 Millionen US-Dollar wieder ein. Die Spezialeffekte und Bauten waren überzeugend, besonders beeindruckend war die Gestaltung der überwucherten Ruinen von Washington D. C.

Dennoch musste der Film einige Kritik einstecken, weil er sich nur grob an die Romanvorlage von William F. Nolan und George Clayton Johnson hielt. Im Unterschied zum Film hatten in der Buchvorlage die weit in der Überzahl befindlichen Jugendlichen die Macht übernommen, als die Bevölkerungsdichte ein unerträgliches Ausmaß angenommen hatte und Nahrungsmittel immer knapper wurden. In der Romanvorlage durften die Menschen sogar nur 21 Jahre alt werden. Diese Dystopie war in den Augen der Produzenten aber dann doch zu hart, und man entschied sich, das Alter auf 30 Jahre hochzusetzen.

Auszeichnungen

  • 1977 – Sonderoscar – Auszeichnung in der Kategorie Beste visuelle Effekte für L. B. Abbott, Glen Robinson und Matthew Yuricich
  • 1977 – Oscar – Nominierung in der Kategorie Bestes Szenenbild (Art Direction) für Dale Hennesy und Robert De Vestel
  • 1977 – Oscar – Nominierung in der Kategorie Beste Kamera für Ernest Laszlo
  • 1977 – Saturn Award – Auszeichnung in der Kategorie Bester Science-Fiction-Film
  • 1977 – Saturn Award – Auszeichnung in der Kategorie Bestes Szenenbild (Art Decoration) für Dale Hennesy
  • 1977 – Saturn Award – Auszeichnung in der Kategorie Beste Kamera für Ernest Laszlo
  • 1977 – Saturn Award – Auszeichnung in der Kategorie Bestes Kostüm für Bill Thomas
  • 1977 – Saturn Award – Auszeichnung in der Kategorie Bestes Make-up für William Tuttle
  • 1977 – Saturn Award – Auszeichnung in der Kategorie Bestes Szenenbild (Set Decoration) für Robert De Vestel
  • 1977 – Hugo Award – Nominierung in der Kategorie Best Dramatic Presentation
  • 1977 – Internationales Filmfestival Moskau – Nominierung in der Kategorie Goldener Preis

Die deutschen Synchronsprecher

  • Michael York: Thomas Danneberg
  • Richard Jordan: Christian Brückner
  • Jenny Agutter: Cornelia Meinhardt
  • Peter Ustinov: Hans Dieter Zeidler
  • Roscoe Lee Browne: Lothar Blumhagen

Sonstiges

Der deutsche Titel Flucht ins 23. Jahrhundert entspricht weder dem Originaltitel noch der Filmhandlung. Er impliziert, dass es im Film um eine Zeitreise gehe, aber eine solche kommt im ganzen Film nicht vor. Man kann bestenfalls von einer Flucht im 23. Jahrhundert reden.

Die Rolle des Logan wurde zuerst Jon Voight angeboten, für die Rolle der Jessica war Lindsay Wagner erste Wahl, Francis sollte von William Devane verkörpert werden, und Peter Ustinov sprang für James Cagney ein.

Gedreht wurde unter anderem in zwei Einkaufszentren in den texanischen Großstädten Fort Worth und Dallas.

Der am Ende des Films gezeigte gigantische Trichterbrunnen befindet sich in den Fort Worth Water Gardens.

Die Veröffentlichung einer deutschen DVD dieses Films ist wiederholt angekündigt und verschoben worden. Seit dem 13. Juli 2007 ist die deutsche DVD im Handel. Die Qualität und Ausstattung der DVD-Produktion bleibt dabei jedoch hinter der der US-Version zurück.

Die auf diesem Film basierende 14-teilige Fernsehserie „Logan’s Run“ wurde in Deutschland nie ausgestrahlt. Auch in den USA wurden nur 11 der 14 Episoden gesendet.

Michael Bays Film „Die Insel“ (The Island, 2005) verwendet Motive aus Logan’s Run.

Ein Remake des Filmes wird von der IMDb derzeit nach etlichen Verschiebungen für das Jahr 2010 gelistet ; die Regie wird demnach Joseph Kosinski führen.

Literatur

Die Romane
  • William F. Nolan, George Clayton Johnson: Flucht ins 23. Jahrhundert. Heyne, München 1984, ISBN 3453304381

Nach dem Erfolg des Films entschloss sich Nolan zu einer Fortführung der Geschichte und veröffentlichte Logan's World sowie Logan's Search. Beide Romane orientieren sich an der Literaturvorlage und nicht am Film.

USA:
Marvel Comics brachte 1977 sieben Comichefte zum Film heraus, Nr. 1 – Nr. 5 waren Adaptionen des Films, in Nr. 6 und Nr. 7 versuchte man die Story weiterzuspinnen. Obwohl eine Nr. 8 im Heft 7 angekündigt war, wurde die Serie eingestellt. 1981 ist in Bizarre Adventures #28 eine Geschichte namens The Huntsman, eine kurze Logan's Run-Geschichte, hier verwendet Marvel das alternative Sandmann-Kostüm aus den Testphotos. Die Geschichte ist eine Pre-Movie-Story und war als Back-up-Story für die Serie geplant.

Adventures Comic brachte 1990 die Miniserie Logan's Run heraus, diese sechs Hefte waren eine Adaption der Bücher von Clayton Johnson und William F. Nolan. Die Cover wurden von sechs verschiedenen Zeichnern (Heft 1 von Paul Gulacy) gezeichnet, während der Plot und die Zeichnungen im Heft von Barry Blair waren. Der Inhalt war schwarz-weiß und die Aufmachung war dieses Mal eine ganz andere. Auf der Vorderseite war ein Hinweis „nur für Erwachsene“ und im ersten Heft war ein Vorwort von William F. Nolan abgedruckt.

1991 brachte dann Adventures Comic die Serie Logan's World heraus, wieder sechs Hefte und mit einem Vorwort von William F. Nolan. Barry Blair übernahm dieses Mal auch die Cover, für Plot und Zeichnungen war er ebenfalls zuständig.

England:
Brown Watson Comics brachte 1978 ein Logan's Run Annual, das war mehr ein Magazin mit Photos, ein Kurzroman, Spiel und zwei Comic-Geschichten rund um die Fernsehserie Logan's Run. In dem Magazin „Look-In“ wurden kurze schwarz-weiße Comic-Strips der Fernsehserie Logan’s Run veröffentlicht, 22 Geschichten beginnend mit Heft 15 und die letzte Geschichte in Heft 38 (September 1978).

Filmdaten

  • Regie: Michael Anderson
  • Drehbuch: David Zelag Goodman, Buch: William F. Nolan, George Clayton Johnson
  • Produktion: Saul David
  • Musik: Jerry Goldsmith
  • Kamera: Ernest Laszlo
  • Schnitt: Bob Wyman
  • Besetzung
    • Michael York: Logan 5
    • Richard Jordan: Francis 7
    • Jenny Agutter: Jessica 6
    • Peter Ustinov: Alter Mann
    • Roscoe Lee Browne: BOX
    • Farrah Fawcett: Holly
    • Michael Anderson jr.: „Doc“

 

 


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