Der Tag, an dem die Erde stillstand (1951)

Kult-Filme von A bis Z - Science Fiction

 Der Tag, an dem die Erde stillstand (Originaltitel: The Day the Earth Stood Still) ist ein in schwarzweiß gedrehter Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1951. Regie führte Robert Wise.

Der mittlerweile zu den Klassikern des Genres zählende Film wartet mit einer gänzlich anderen Botschaft auf als der im gleichen Jahr entstandene Film Das Ding aus einer anderen Welt von Christian Nyby. Im Gegensatz zu Nybys blutrünstigem Alien, das mit aller zu Gebote stehenden Gewalt vernichtet werden muss, warnt in Wises Film der außerirdische Besucher die Menschheit davor, diese Gewalt auszuweiten und in den Weltraum zu tragen.

Premiere des Films war am 18. November 1951 in New York City. In der Bundesrepublik Deutschland kam der Film am 2. Mai 1952, in Österreich im Mai 1953 in die Kinos. Zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde er am 14. April 1971 in der ARD.

 

Bei einem Budget von 1,2 Millionen Dollar spielte er in den USA 1,85 Millionen Dollar ein. Der Film wird als einer der ersten, wirklich kommerziell erfolgreichen Science-Fiction-Filme betrachtet.

 

Handlung

Handlung

Eine fliegende Untertasse landet in Washington D. C. und wird von der Armee eingekreist. Aus dem Raumschiff steigt ein Mann im Raumanzug und beteuert in Frieden zu kommen; dennoch wird er von einem nervösen Soldaten angeschossen, nachdem er aus seinem Raumanzug einen Gegenstand hervorholte, der als Geschenk für den Präsidenten Vereinigten Staaten von Amerika gedacht war. Daraufhin entsteigt ein riesiger Roboter dem Raumschiff und vernichtet mit einem laserähnlichen Strahl die auf ihn gerichteten Gewehre, Panzer und Artilleriegeschütze der Streitkräfte, bis er auf Zuruf des Verletzten still verharrt. Der Außerirdische, der wie ein Mensch aussieht, wird in ein Krankenhaus gebracht, wo er sich einem Sekretär des US-Präsidenten als Klaatu vorstellt. Er bittet, die Führer aller Nationen herbeizurufen, da er eine wichtige Botschaft zu überbringen hat. Dies sei, so der Sekretär, aus politischen Gründen unmöglich.

Kurz darauf flieht Klaatu unbemerkt aus dem Krankenhaus und mietet sich als „Mr. Carpenter“ in einer Pension in Washington ein. Nähere Bekanntschaft schließt er mit der Mitbewohnerin Helen Benson und deren Sohn Bobby. Als Helen mit ihrem Freund Tom einen Ausflug macht, gehen Klaatu und Bobby durch die Stadt. Dabei besichtigen sie unter anderem das Lincoln Memorial. Von der Gettysburg Address beeindruckt, sieht Klaatu, dass es Menschen gibt, die seine Botschaft verstehen würden. Bobby führt ihn zum Physiker Professor Barnhardt.

Klaatu enthüllt Barnhardt seine Identität und berichtet, dass die Außerirdischen die Menschen seit einiger Zeit beobachten. Die Nutzung der Atomkraft für Kernwaffen in Verbindung mit der beginnenden Raumfahrt könne nicht erlaubt werden. Barnhardt ist bereit, ein Treffen hochrangiger Wissenschaftler zu organisieren. Er empfiehlt Klaatu, den Menschen eine harmlose, aber eindrucksvolle Demonstration der außerirdischen Macht zu geben.

Am nächsten Tag stoppen für eine halbe Stunde alle elektrischen Geräte mit Ausnahme der lebenswichtigen. Klaatu gibt sich nun Helen zu erkennen. Tom, inzwischen misstrauisch geworden, hat Indizien gesammelt und informiert die Armee, dass „Mr. Carpenter“ der gesuchte Außerirdische ist. Helen flieht mit Klaatu. Sollte ihm etwas zustoßen, so weist er sie an, solle sie Gort – den Roboter, der die ganze Zeit regungslos neben dem Raumschiff verharrte – mit den Worten „Klaatu Barada Nikto“ aufhalten; sonst würde dieser die Erde zerstören.

Tatsächlich wird Klaatu vom Militär erschossen. Helen läuft zum Raumschiff und ruft Gort die entscheidenden Worte zu. Gort holt daraufhin den Leichnam Klaatus und belebt ihn im Raumschiff wieder. Alle drei entsteigen dem Raumschiff, vor dem sich mittlerweile Wissenschaftler aus der ganzen Welt versammelt haben. Klaatu erklärt, dass er der Abgesandte einer großen Föderation von Planeten sei. Um Kriege für alle Zeit unmöglich zu machen, habe diese eine Rasse von mächtigen Robotern geschaffen, die sie ständig überwachen und den unwiderruflichen Befehl haben, jeden Aggressor zu vernichten. So würden Kriege verhindert. Man werde sich in die Angelegenheiten der Menschheit, soweit sie nur diese betreffen, nicht einmischen – doch jede Möglichkeit, andere Planeten anzugreifen, hätte die völlige Auslöschung der Erde zur Folge. Entweder werde die Erde friedlich mit den anderen Planeten zusammenleben, oder sie werde bei ihrer bisherigen Weise bleiben – dann allerdings mit der Gefahr des Untergangs.

Kritiken

In seinem Review des Films für die New York Times am 19. September 1951 meinte Bosley Crowther unter anderem: „Es mag tröstlich sein, dass unsere planetaren Nachbarn um so vieles weiser und friedfertiger sind als wir, aber auf dem Feld der Science Fiction ist das nur laue Unterhaltung.“ Insgesamt verreißt Crowther den Film und macht sich über Michael Rennies britischen Akzent lustig.

- Bosley Crowther: Emissary From Planet Visits Mayfair Theatre in 'Day the Earth Stood Still. In The New York Times 19. September 1951

Auch den Roboter Gort hält er für unbedrohlich, trotz seiner immensen Größe und seiner Todesstrahlen. Sam Jaffe, Patricia Neal und Billy Gray hält Crowther für austauschbar. Von einem anderen Kritiker ist dagegen Patricia Neals „wunderbare, zurückhaltende Darstellung“ gelobt worden.

- P. Hardy: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, Königswinter 1998, ISBN 3-89365-601-4, S. 138f

Das Lexikon des internationalen Films sieht in Der Tag, an dem die Erde stillstand einen „Science-Fiction-Klassiker ohne technische Sensationen, aber mit einer gezielten Botschaft, die zur Zeit des ‚Kalten Krieges‘ und der Korea-Krise ein bemerkenswertes Gewicht hatte.“

Karen Krizanovich schrieb in 1001 Filme unter anderem, der Film beginne dokumentarisch und transportiere seine „Antikriegs-Botschaft mit Hilfe spektakulärer Spezialeffekte und einprägsamer Charaktere.“ Der Film, „weit mehr als ein B-Movie“, sei „der erste populäre Science-Fiction-Film für Erwachsene, der eine Botschaft zum Thema Menschlichkeit aussandte“. Und weiter „Der Tag an dem die Erde stillstand“ sei immer noch unübertroffen, „ein Klassiker… dank seiner cleveren visuellen Effekte“.

- Steven J. Schneider, 1001 Filme. Die besten Filme aller Zeiten, Edition Olms, 2004, ISBN 978-3283004972

Matt Slovick schrieb in der Onlineausgabe der Washington Post in einer Nachbetrachtung von Der Tag an dem die Erde stillstand unter anderem: „Die pazifistische Botschaft ist mehr als 45 Jahre später immer noch relevant“, und weiter: „Obwohl vieles an dem Film überholt ist, ändern sich manche Dinge nie. Auch in den Filmen der 1990er Jahre geraten die Leute in Panik, halten die Aliens für Killer. Der gute Außerirdische ist weniger als 30 Sekunden auf der Erde, da wird − zum ersten Mal − auf ihn geschossen.“

- Matt Slovick: The Day the Earth Stood Still. Auf: washingtonpost.com(online)

Der Science-Fiction-Kenner John Clute schrieb 1995: „Die Reputation von The Day the Earth Stood Still nimmt mit den Jahren zu.“ Und: „Keiner, der ihn 1951 gesehen hat, hat ihn vergessen, und er ist immer noch der Film, den man mit Nostalgie und Furcht noch einmal ansieht.“ Die vom Film transportierte Enttäuschung über die Menschheit sei „ansteckend“.

- J. Clute: SF – Die illustrierte Enzyklopädie, München 1996, ISBN 3-453-11512-0, S. 262 und 264

Produktion


In den 1950er Jahren erlebte die Science-Fiction – nicht nur im Spielfilm – einen produktiven Höhepunkt in den Vereinigten Staaten, der durch den Hintergrund des Kalten Krieges, den sprunghaften wissenschaftlichen Fortschritt nach Ende des Zweiten Weltkriegs und einer veränderten, verstärkt der Jugend zugewandten, Publikumsausrichtung der Medien zugeschrieben wird. Neben einer Reihe von Filmen, die mit einer Bedrohung durch die Wissenschaft – beispielsweise in Mutationsfilmen wie Tarantula (1955) – spielten, sticht in dieser Periode des amerikanischen Films vor allem eine große Anzahl von erfolgreichen Invasionsfilmen hervor. In diesen Filmen werden die USA und die gesamte Welt von der Auslöschung durch einen technisch überlegenen, außerirdischen Aggressor bedroht. Der Tag, an dem die Erde stillstand wird von Faulstich in seiner Filmgeschichte dabei in dieser Filmgruppe besonders herausgestellt, da lediglich dieser Film die Variante offeriere, „daß die Besucher aus dem All kein Unheil bringen, sondern Frieden und die Aufforderung zur Selbsterkenntnis.“

- Werner Faulstich: Filmgeschichte. Wilhelm Fink Verlag 2005. Seite 132f. ISBN 3-7705-4097-2

Regie und Darsteller

Der Tag, an dem die Erde stillstand war der erste Science-Fiction-Film von 20th Century Fox und, wie die Los Angeles Times konstatierte, der erste Science-Fiction-Film mit bekannten Darstellern. Regisseur Robert Wise erlangte mit dem Film – seinem ersten für ein großes Studio – große Bekanntheit. Gelobt worden ist die „Balance, die Wise zwischen seiner dunklen Allegorie und der Darstellung der Nebenhandlung“ gehalten habe.
- P. Hardy: Die Science Fiction Filmenzyklopädie, Königswinter 1998, ISBN 3-89365-601-4, S. 138f

Für die Rolle des Klaatu war zunächst Claude Rains im Gespräch, der aber aus Termingründen absagen musste. Produzent Darryl Zanuck sah Michael Rennie in England im Theater und engagierte ihn für die Rolle, da er glaubte, ein den amerikanischen Zuschauern unbekannter Schauspieler würde den Realismus der Darstellung eines Außerirdischen erhöhen.

Die Gegenüberstellung der von Patricia Neal und Hugh Marlowe gespielten Charaktere, die unterschiedliche Reaktionen auf den Außerirdischen zeigen, ist für „plakativ, aber wirkungsvoll“ gehalten worden. Helen Benson verkörpere „Werte, die als typisch weiblich gelten, sie ist friedliebend, verständnisvoll und weitsichtig.“ Tom Stevens falle dagegen durch „negative männliche Eigenschaften wie Ehrgeiz und Egoismus auf.“

Der hünenhafte Roboter Gort wurde von Lock Martin, einem großgewachsenen Laiendarsteller, gespielt[8], der danach noch einmal in einer kleinen Rolle in einem Film mitwirkte (Invasion vom Mars, 1953).

Einige damals in den USA bekannte Nachrichtensprecher wie Elmer Davis hatten Cameo-Auftritte in dem Film: sie kommentieren die Landung des Raumschiffs, um dem Film, im Zusammenspiel mit den bekannten Schauplätzen von Washington D.C., einen realistischen Anstrich zu geben.

Spezialeffekte

Spezialeffekte wurden sparsam eingesetzt, für die Umsetzung waren Fred Sersen, L. B. Abbott und Ray Kellogg zuständig. Die Landung der fliegenden Untertasse in Washington ist eine der ersten filmischen Darstellungen eines solchen UFOs überhaupt; sie ist auch für die Entstehungszeit des Films erstaunlich realistisch umgesetzt. Das UFO war ein etwa 60 cm großes Miniaturmodell, das vor einem bewegten Matte Painting gefilmt wurde.[8]

Es gab zwei Kostüme für Gort, eines mit dem Reißverschluss hinten, eines mit dem Reißverschluss vorne, jeweils für Aufnahmen von vorn oder von hinten. Da Martin Patricia Neal nicht heben konnte, wurde sie beim Dreh der entsprechenden Szene zunächst mit Drähten hochgezogen und in der nächsten Einstellung durch eine leichte Puppe ersetzt. Der „Strahlenblick“ des Roboters war eine einfache Lichtquelle, die hinter den Augenschlitzen angebracht war.

Drehbuch

Das Drehbuch übernahm von der Vorlage Farewell to the Master nur das Grundthema. Die Botschaft des Films, die Nebenhandlung des sich unter die Menschen begebenden Klaatu und die mögliche christliche Symbolik fehlen in der Kurzgeschichte. Aus Kostengründen wurden keine Szenen konzipiert, die im Weltall spielten.
- Peter Lev: Transforming the Screen 1950–1959 History of the American Cinema Vol. 7, University of California Press 2003, ISBN 0-520-24966-6 S.179ff

Die Geschichte selbst ist aufgrund einiger Parallelen als Analogie zur biblischen Geschichte von Jesus Christus gedeutet worden[13][8]: Klaatu kommt mit einer Botschaft des Friedens, wird aber verfolgt und getötet. Er ersteht wieder auf, verkündet den Menschen seine Botschaft und verschwindet dann in den „Himmel“. Als Indiz für diese Deutung gilt auch der Name, den sich Klaatu zulegt: „Carpenter“ ist das englische Wort für „Zimmermann“, der angenommene Beruf des Jesus von Nazaret. Es ist auch möglich, dass die Änderung des Roboternamens von „Gnut“ in „Gort“, was „God“ (Gott) ähnlicher klingt, vom Drehbuchautor in diesem Sinne beabsichtigt war. Gort stünde dann als Analogie zu Gott, der die Menschen bestrafen wird, wenn sie es nicht schaffen, in Frieden zu leben.
Regisseur Robert Wise hat beteuert, die Parallelen zur christlichen Symbolik erst bemerkt zu haben, nachdem der Film veröffentlicht war und Kritiker darauf hinwiesen. Er bekräftigte: „Wir wollen damit nicht versuchen zu sagen, dies sei eine Version der Rückkehr Christi“.[8] Drehbuchautor Edmund North dagegen hat zumindest zugegeben, den Namen „Carpenter“ der Analogie wegen bewusst gewählt zu haben.
Als Helen im Film Klaatu fragt, ob Gort ihn wiederbelebt habe, sagt er: „Nein, diese Macht ist dem Allmächtigen vorbehalten.“, und erklärt, dass die Wiederbelebung nur für eine gewisse Zeit anhalten wird. Dies wurde auf Wunsch des Studios eingebaut, um Proteste von christlicher Seite zu vermeiden: die Macht über Leben und Tod liegt nach deren Vorstellung nur bei Gott selbst.

Inszenierung

Inszenierung und visueller Stil

Neben ästhetischen Anleihen in der Lichtdramaturgie beim Film noir sticht besonders die halbdokumentarische Inszenierung des Films heraus. Die Einbindung von bekannten Fernsehreportern in die Spielhandlung sollte die Glaubwürdigkeit des Films steigern, ein Aspekt, auf den Wise besonders bei seinen Science-Fiction-Filmen großen Wert legte. Diese, so Wise, sollten „so glaubhaft und realistisch wie möglich wirken“. Wise versuche „immer alles, um den Zuschauer dazu zu bringen, das zu glauben, was er auf der Leinwand sieht“, weil sich nur dann der Zuschauer auf die Geschichte einlasse und an ihr teilnehme.

Wise setzt, um die Bedeutung des weltumspannenden Ereignisses zu visualisieren, Fernsehmonitore als Träger der Handlungsinformation ein. Dabei setzt er die Fernsehbilder filmisch in einer, so Beier, „teilweise virtuosen inneren Montage“ um; ein Vorgriff auf die Anfang der 1950er längst noch nicht voll ausgeprägte Allmacht des Fernsehens in der weltweiten Kommunikation.

Die Botschaft des Films

Die Botschaft des Films ist recht deutlich: der Aufruf zur Beendigung der Kriege und insbesondere zur Vernichtung der Kernwaffen. Wise erläutert hierzu: „Der ganze Zweck des Films war, dass Klaatu am Ende seine Warnung aussprechen konnte. Die Botschaft des Films ist mir sehr wichtig. In seiner Warnung vor atomarer Kriegsführung war der Film zu seiner Zeit richtungsweisend [...]. Mir gefiel die Tatsache, dass es ein Science-Fiction-Film war, aber einer, der auf der Erde spielte und nicht nur wieder eine Reise zum Mond zum Thema hatte. So hatten wir die Gelegenheit, ein paar sehr wichtige Themen anzusprechen.“

Der Wissenschaftler Professor Barnhardt ist leicht als filmisches Pendant zu Albert Einstein zu erkennen, der sich in seinen letzten Jahren ebenfalls gegen Kernwaffen engagierte. Aber von vielen Rezensenten gibt es Kritik an dieser Botschaft: die vorgeschlagene Lösung, sich freiwillig einer Rasse von übermächtigen Robotern zu versklaven, sei wenig erbaulich. Die „absolute Kontrolle durch Roboter“ erscheine „zumindest als erstaunliche und bedenkenswerte Zukunftsvision und gemahnt an das für den Kalten Krieg gültige Gleichgewicht des Schreckens.“ Klaatu behauptet im Film, die Menschen müssten auf keine Freiheit verzichten außer auf die, „unvernünftig zu handeln“. Darauf könne man allerdings fragen: Wer bestimmt, was „unvernünftig“ ist? So vereinfache der Film die komplexe Problematik von Krieg und Frieden im atomaren Zeitalter doch sehr. Regisseur Wise hat zugegeben, dass diese Probleme im Film ausgeblendet werden; die grundsätzliche Botschaft, Kriege zu beenden, sei aber weiterhin richtig und das wichtigste Element des Films, wobei dessen vereinfachende Darstellung von Lars-Olav Beier als Manko des Films gesehen wird. Der Film, „der schwer an der Last seiner Friedensbotschaft zu tragen hat“, leide „unter dem appellativen Charakter […]“.

Vorlage

Die Vorlage von Harry Bates

Der Film basiert auf der Kurzgeschichte Farewell to the Master (deutsch: Abschied vom Herrn) von Harry Bates, die zuerst in der Oktoberausgabe 1940 des Magazins Astounding Science-Fiction – in derselben Ausgabe erschien Slan von A. E. van Vogt – veröffentlicht wurde. Die Filmrechte hatte das Studio für 1.000 US-Dollar vom Verleger erworben, der Bates nicht gefragt hatte. Bates erhielt schließlich nur 500 US-Dollar.

Die Geschichte wird aus Sicht des Reporters Cliff Sutherland erzählt: Etwa drei Monate vor Beginn der Handlung erschien ein Raum-Zeit-Schiff; der menschenähnliche Klaatu und der Roboter Gnut entstiegen ihm. Kaum hatte Klaatu sich und Gnut vorgestellt, erschoss ein Wahnsinniger Klaatu. Gnut stellte daraufhin jede Tätigkeit ein, hat sich seither offenbar nicht mehr bewegt. Um mögliche weitere Insassen des Schiffes oder spätere Reisende aus der Zivilisation Klaatus vom Bedauern der Menschheit über den Anschlag zu überzeugen, setzte die Menschheit Klaatu in einem eigens errichteten Mausoleum bei. Gnut und das Schiff ließ man, wo sie waren, und umbaute sie mit einem zusätzlichen Flügel der Smithsonian Institution. Dort stellt Cliff nun durch Vergleich seiner Fotos fest, dass der Roboter sich von einem Tag auf den anderen doch bewegt, obwohl zusätzlich irdische Wissenschaftler alles getan hatten, den Roboter lahmzulegen. Er findet heraus, dass der Roboter nachts herumstreift und seltsame Versuche durchzuführen scheint. Schließlich bricht Gnut aus dem Museum aus, nimmt den Reporter als Schild gegen den Beschuss der Armee und holt aus dem Mausoleum die dort hinterlegten Bild- und Tonaufzeichnungen von der Ankunft und Ermordung Klaatus. Damit begibt er sich in das Schiff. Der Reporter folgt ihm eigenmächtig und erlebt, wie der Roboter ein Doppel Klaatus zu kurzem Leben erwecken kann. Die zwar wenigen Sätze, die Cliff während der Lebensspanne des Doppels mit diesem wechseln kann, sind jedoch sehr aufschlussreich, auch Cliff gibt einen wertvollen Denkanstoß. Beim Abschied, ehe das Schiff zu seiner Herkunft zurückkehrt, klärt Gnut den Reporter über ein Missverständnis auf, das Cliff – und dem Leser – die Sprache verschlägt. Sutherland bittet den Roboter bei seiner Rückkehr seinen Herrschern klarzumachen, das Klaatus Tod ein Unfall war. Gnut sagt, er verstehe dies. Als Sutherland daraufhin nachhakt, ob er dies aber auch seinem Herrscher sagen wird, antwortet Gnut „Sie verstehen nicht, ich bin der Herrscher.“

Kurzgeschichte und Film weisen so viele Unterschiede auf, dass von einer Verfilmung im eigentlichen Sinn keine Rede sein kann. Zwar bestehen Verbindungen; Gestalten, Handlung und vor allem die Grundaussage sind jedoch im Film stark geändert. So spielt etwa die Erzählung in der Zukunft, der Roboter heißt Gnut und ist nicht von maschinenartiger Gestalt, sondern gleicht einer metallenen Statue eines nur mit einem Lendenschurz bekleideten Menschen; es gibt keinerlei Bezug zur atomaren Bedrohung oder Kriegsneigung, Klaatu mischt sich nicht unter die Menschen, und dergleichen mehr. Auch die überraschende Schlusswendung der Kurzgeschichte wird im Film nur angedeutet.

Wissenswertes

Auszeichnungen

Der Film wurde 1952 bei den Golden Globes als Bester die Völkerverständigung fördernder Film ausgezeichnet und für die Beste Filmmusik (Bernard Herrmann) nominiert. Der Tag, an dem die Erde stillstand wurde außerdem 1995 in das National Film Registry der USA aufgenommen, die Kopien erhaltenswerter Filme in der Library of Congress aufbewahrt.

Filmplakate

Verschiedene Filmplakate zeigen den Roboter Gort, der Patricia Neals Charakter trägt und dabei eine Art Laserstrahl abfeuert. Verglichen mit dem Film ist Gort viel zu groß dargestellt, zudem ist Neal im Film nie so freizügig gekleidet. Sogar ihre Haarfarbe wurde für einige Plakate in blond geändert. All dies soll offensichtlich der Werbung dienen.

 

 

Der Roboter, der eine hilflose Frau trägt, wurde ebenfalls ein beliebtes Motiv in Science-Fiction-Filmen. Auch das Filmplakat zu Alarm im Weltall zeigt etwa ein solches Bild. Im Gegensatz zu jenem Film kommt aber hier wenigstens eine entsprechende Szene vor, auch wenn Gort die Frau eher friedlich ins Schiff trägt.

Weitere Plakatmotive, die allerdings im Film überhaupt nicht vorkommen, sind die Erde im Griff einer überdimensionalen Hand und die Zerstörung des Kapitols.

Die Tagline des Films lautete: From out of space.... a warning and an ultimatum! (Aus dem Weltall ... eine Warnung und ein Ultimatum!).

Wirkung

Einige Werke der populäre Kultur – auch außerhalb der Science-Fiction – beziehen sich auf Der Tag, an dem die Erde stillstand.

So zeigt das Schallplattencover von Ringo Starrs Album Goodnight Vienna eine nachgestellte Szene des Filmes mit Starr an Stelle Klaatus. Die kanadische Progressive-Rock-Band Klaatu wählte ihren Namen nach der Hauptfigur des Filmes und bezog sich mit dem Liedtitel Calling Occupants of Interplanetary Craft – als Coverversion ein internationaler Hit für die Carpenters – ebenfalls direkt auf den Film. Eine Anspielung auf den Film und seinen Hauptdarsteller ist auch im Eröffnungslied Science Fiction/Double Feature der Rocky Horror Picture Show zu finden: Michael Rennie was ill the Day the Earth Stood Still / But he told us where we stand. Zitate des Filmes fanden auch als Sample ihren Weg in verschiedene Musikstücke.

Der Satz „Klaatu Barada Nikto“, mit dem die Erde vor der sofortigen Zerstörung gerettet wird, ist eine oft zitierte Phrase geworden. Der Satz ist etwa in Tron und Unheimliche Begegnung der dritten Art zu sehen und wird in Small Soldiers und Shadows in the Sun gesagt. In der Horrorkomödie Armee der Finsternis wird der Satz besonders prominent als eine Zauberformel benutzt.

In Die Rückkehr der Jedi-Ritter, dem dritten Teil der ursprünglichen Krieg-der-Sterne-Saga, verlieh George Lucas drei Palastwachen Jabba the Hutts, die auch auf der Reise zum Sarlacc mit dabei sind, jeweils die Namen Klaatu, Barada und Nikto.

Der englische Originaltitel des Filmes (The Day the Earth Stood Still) wurde in abgeänderter Form als Titel von Film- und Fernsehproduktionen benutzt. So trägt eine Folge aus der dritten Staffel der Serie Futurama den Titel The Day the Earth Stood Stupid. Die Anspielung wird auch im deutschen Titel Der Tag, an dem die Erde verdummte beibehalten. Weitere Serien, die Titel von Folgen an den Originaltitel des Films anlehnen, sind etwa Neon Genesis Evangelion (The Day Tokyo-3 Stood Still) und Johnny Bravo (The Day The Earth Didn't Move Around Very Much). Außerdem bezog sich die Adaption des Films Mars Attacks! von Regisseur Tim Burton auf diesen Film.

Neuverfilmung

Ende 2008 erschien mit Der Tag, an dem die Erde stillstand mit Keanu Reeves in der Hauptrolle eine Neuverfilmung, die jedoch nur bedingt mit der 1951er-Version vergleichbar ist, sowohl von der Grundhandlung her betrachtet als auch vom Einsatz der Visuellen Effekte.

Filmdaten

  • Deutscher Titel: 2001: Der Tag, an dem die Erde stillstand
  • Originaltitel: 2001: The Day the Earth Stood Still
  • Produktionsland: USA
  • Erscheinungsjahr: 1951
  • Länge: 88 Minuten
  • Originalsprache: Englisch
  • Altersfreigabe: FSK 12
  • Regie: Robert Wise
  • Drehbuch: Edmund H. North nach einer Kurzgeschichte von Harry Bates
  • Produktion: Julian Blaustein
  • Musik: Bernard Herrmann
  • Kamera: Leo Tover
  • Schnitt: William Reynolds
  • Besetzung:
    • Michael Rennie: Klaatu / „Mr. Carpenter“
    • Patricia Neal: Helen Benson
    • Hugh Marlowe: Tom Stevens
    • Sam Jaffe: Professor Barnhardt
    • Billy Gray: Bobby Benson
    • Lock Martin: Gort
    • Frances Bavier: Mrs. Barley
    • Frank Conroy: Mr. Harley




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