Science Fiction: Das Genre

Filmwissen - Filmgenres

 

Science Fiction ist ein ursprĂĽngliches literarisches Genre des technikbegeisterten 19. Jahrhunderts. Jules Verne und H. G. Welles stehen geradezu als Synonym fĂĽr die Begeisterung und Faszination dieser Literaturrichtung. Nahtlos gelang der Ăśbergang von einer Literaturrichtung in ein Filmgenre.

 

Das Filmgenre Science Fiction

Das Genre der Science-Fiction-Filme (auch kurz SF-Film) zeigt das Spekulative oder das Mögliche und dessen (positive oder negative) Auswirkung auf die Zukunft. Oft sind Science-Fiction-Filme ein Abbild ihrer Zeit, können kulturelle Manifestationen dieser Zeit darstellen und spiegeln gesellschaftliche Ängste oder Visionen wieder.

Aus der Analyse der Zukunftsbilder und Technikvisionen im Subtext von Wissenschaft und Fiktion können sich die naturwissenschaftlichen und philosophisch-soziologischen Reflexionen dieser Zeit erfahren lassen.

Immer wieder wurde versucht, dieses Genre in Kategorien zu unterteilen.

Das Fremde

Ein bedeutendes Themenfeld ist der oder das Fremde – die Bedrohung durch das Unbekannte. Geschehen kann dies durch den Kontakt mit Außerirdischen ("Krieg der Welten", "Independence Day", "Der Tag, an dem die Welt still stand", "Alien I-IV"), durch eine Zeitreise, die dem Zuschauer Schreckliches prophezeit ("Die Zeitmaschine", "Terminator"), aber auch in der Konfrontation mit einem wissenschaftlichen Fortschritt, der außer Kontrolle gerät oder missbraucht wird ("The Matrix", "Gattaca"). Auch die Frage nach dem Bösen oder Unerklärlichen in der menschlichen Psyche wird in manchen Filmen bearbeitet ("Solaris", "Uhrwerk Orange"). Bei dieser Thematik ist die Grenze zum Horrorfilm fließend.

Die Ă„ngste der fĂĽnfziger Jahre

Eindrucksvoll spielen die drei Filme "The Day The Earth Stood Still" von Robert Wise (1951),"The Thing from Another Planet" von Howard Hawks (1951) und "Invasion of the Body Snatcher" von Don Siegel die paranoiden Ă„ngste der fĂĽnfziger Jahre wieder.

Vorstellungen vom Bösen, Gutem und Anderem, in einem politisch vom kalten Krieg und dem Antikommunismus der McCarthy-Ära geprägten Amerika, geben besonders die Science-Fiction-Filme in dieser Zeit ein beeindruckendes, fast surreales Schattenbild der eigenen Gesellschaft ab.

Viele B-Movies brachten diese Ängste in hölzerner Art und Weise auf die Leinwand. Es dominieren Horror-Science-Fiction und Atom-Monster. Ein Blick ins Naturkunde-Buch genügte, um das nächste Leinwandgrauen zu konstruieren: Skorpione, Schnecken, Ameisen, Spinnen, Echsen, etc. bedrohten die Menschheit – einige davon mit Frauenköpfen. Der Science-Fiction-Film fand sich hierdurch in der Horror-Schmuddel-Grusel-Ecke wieder. Der Ruf des Genres war nachhaltig ruiniert. Es dauert bis weit in die 70er-Jahre und Regisseure wie Robert Wise ("Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All"), Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner"), John Carpenter ("Dark Star"), George Lucas ("Star Wars") und Stanley Kubrick ("2001 Odyssee im Weltraum"), bis es sich davon wieder erholte.

Die Neugier: Reisen durch Zeit und Raum - unendliche Weiten

Die klassische Science-Fiction-Serie "Raumschiff Enterprise" begann jede Folge mit dem inzwischen legendären Satz "Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat."

Der urmenschliche Instinkt „Neugier“ ist eine zentrale Triebfeder von Zivilisation und deren Ausdehnung über zunächst unüberschreitbare Grenzen hinaus. Diese Grenzen sind im Science-Fiction-Film beispielsweise das Gefangensein in der Gegenwart, welches mittels Zeitreise überwunden wird ("Die Zeitmaschine", "Planet der Affen"), die Überwindung des Raumes, die uns fremde Welten besuchen lässt ("2001: Odyssee im Weltraum", Star Treck") oder auch die Überwindung der Isolation der Menschheit als einzige intelligente Lebensform ("Contact", "Signs – Zeichen").

Die utopisch, diktatorische Gesellschaft

Abweichend von der Norm einer freien Gesellschaft haben Filme wie, "1984", "Brazil", "Fahrenheit 451", "Equilibrium", "Star Wars", als Handlungshintergrund eine diktatorische Grundordnung die sich aus einem selbstzerstörerischen, historischen Kontext (Kriege, fehlgeschlagene Experimente) entwickelt hat. Gedanken-, Handlungs- und genetische Fortpflanzungskontrolle sind vorherrschende Themen. Für den Einzelnen bedeutet dieses einen mehr oder wenig wahrgenommen Identitätsverlust durch eine technisierte, kontrollierte und zentralisierte Gesellschaft.

Der Spannungsbogen ergibt sich durch herausbrechenden, meist moralisch getriebenen, Individualismus. Oft handelt es sich um zerrissene Charaktere, die ein funktionaler Teil des vorherrschenden Systems waren. Dieses Themenumfeld auch ist in der modernen Science-Fiction-Literatur stark vertreten.

Der Mensch-Maschinen-Konflikt

Die Auflehnung / Konflikt der Maschine gegen seinen Schöpfer ist in Filmen wie "Battlestar Galactica", "Dark Star", "2001 Odyssee im Weltraum", "Terminator" in mythisch und philosophischen Kontext gehoben.

Die Erschaffung einer künstlichen Lebensform (Intelligenz) als Form einer höchsten technischen Errungenschaft einer Gesellschaft, werfen moralische und ethische Fragenkomplexe auf, die als Subhandlungen in den meisten Filmen mitschwingen und diesen sehr actionreichen Filmen oftmals erstaunliche inhaltliche Tiefen verleihen.

Das Bedrohungspotential (der eigentliche Spannungsbogen) ergibt sich in der Rebellion, dieser im darwinistischem Sinne dem Menschen überlegende Spezies, gegen ihren eigenen "gottgleichen" Schöpfer.

Der moralische Zwiespalt eines solchen Konfliktes wurde in Ridley Scotts "Blade Runner" fast erkenntnistheoretisch verfilmt. Ähnlich wie Prometheus von den Göttern grausam für seine Auflehnungen gegen seine Schöpfer bestraft wurde, wird den Replikanten kein Recht auf Existenz gewährt.